Resümee
Der letzte, abschließende Schritt dieses Reiseberichts soll ein Fazit enthalten, die Lehren und Erfahrungen, die mir diese Reise gebracht hat.
Eine Woche hat mich der graue November-Alltag von Berlin nun fast wieder (heute ist der 8.11.2010). Er hat mich sofort wieder voll in Beschlag genommen. Es blieb bisher kaum Luft, die erforderliche Zeit für einen Rückblick zu nehmen. Obwohl auch heute wieder Arbeit auf mich wartet, lasse ich sie liegen (entschuldige, Roland!) und widme den Nachmittag der Reiseverarbeitung, damit ich diesen Bericht und die Reise endgültig zu den Akten legen kann.
Welche Fragen will ich mir (und Euch, den Lesern) beantworten?
- Wie war mein Gesamteindruck?
- Was hat mir die Reise gbracht?
- Hat sie etwas in mir verändert?
- Wird irgendetwas bleiben?
1. Wie war mein Gesamteindruck?
Die Reise war eine rundherum gelungene Sache (ich will dabei mal gesundheitliche Probleme, die noch auftreten können, beiseite lassen), nichts ist irgendwie schief gelaufen, ich bin nicht einmal von einen Regenguss durchweicht worden.
Mit Sylke, meiner langjährigen Freundin und lieben Gastgeberin, der ich an dieser Stelle noch mal für die ausgezeichnete Betreuung, die Einblicke in ihre Arbeit, die vielen Informationen zu Arbeit, Land und Leuten sowie die Touren durch Stadt und Land ganz herzlich bedanken will, habe ich mich gut verstanden. Das war nicht unbedingt zu erwarten, da wir noch nie eine so lange Zeit unter einem Dach miteinander verbracht haben. Außerdem sind wir beide Bescheidwisser, und Sylke dazu noch leicht reizbar. Oder würdest Du dem widersprechen, Sylke?
Leider habe ich durch Unbedachtheiten im Umgang mit ihrem Computer, den sie mir freundlicherweise für dieses Tagebuch zur Verfügung gestellt hat, diesen gefährdet bzw. den Internetzugang unterbrochen.
Entschuldige das bitte noch mal vielmals, Sylke! Ich hoffe, Du kannst mir das verzeihen?
Die Menschen, denen ich begegnet bin und mit denen ich näher zu tun hatte, waren ausnahmslos freundlich, hilfsbereit und entgegenkommend. Ich habe keine abweisenden oder gar aggressiven Reaktionen bemerkt oder erfahren, obwohl ich als Weißer, als Muzungu, natürlich sehr häufig auffällig geworden bin bzw. Reaktionen ausgelöst habe. In der Mehrzahl wurde ich von Kindern mit ihren Englischkenntnissen konfrontiert (“Good morning”, “How are you”, “What’s your name”) oder aber von ihnen um eine Gabe angegangen; aber nie aggressiv oder hartnäckig, eher schüchtern oder einfach spaßeshalber (so mein Eindruck).
Erwachsene riefen immer mal wieder einfach “Muzungu” oder sprachen Sätze, aus denen ich “Muzungu” heraushören konnte.
Nur einmal gab es zwei negative Reaktionen und zwar auf der Autofahrt zum Nyungwe-Nationalpark. Einmal spuckte ein Mädchen in Richtung unseres vorbeifahrenden Wagens, ein paar Kilometer weiter ließ ein Junge einen größeren Stein vor unseren Wagen auf die Straße fallen.
Meine Vermutung ist, dass diese Kinder die Haltung der Erwachsenen in dieser Gegend ausgedrückt haben. Ich glaube, dass dieser Nationalpark von der Mehrheit der Bevölkerung der umliegenden Gegenden abgelehnt wird, da er ihre Nutzung seiner Flächen (Holz, Tiere, Land für Ackerflächen) stark beschneidet. Der Tourismus, der ohnehin nicht sehr stark entwickelt ist, bringt ihnen nicht direkt etwas. Dieses Problem besteht ja bei den meisten Nationalparks.
So könnten wir als Nutznießer dieses Parks zur Zielscheibe des vorhandenen Grolls geworden sein.
Aber, wie gesagt, das ist nur eine Vermutung.
2. Was hat mir die Reise gebracht?
Natürlich in erster Linie die reale, wenn auch nur sehr oberflächliche und räumlich eng begrenzte Begegnung mit Schwarzafrika, mit den Menschen dort, mit den Verhältnissen dort, mit dem Leben dort.
Es ist schon etwas anderes, die Welt nicht nur aus Büchern, Fernsehbildern, Fotos und Reiseberichten Anderer kennen zu lernen.
Selbst zu sehen und zu hören und darüber hinaus noch zu riechen, zu schmecken und zu fühlen, ist etwas anderes, ist selbstverständlich MEHR.
Trotzdem bleibt es ein Blick auf die Oberfläche, ein Besuch, ein Schnuppern, ein Nippen.
Jetzt schon, nur ein paar Tage später, lese ich dieses Tagebuch, betrachte ich seine Bilder wie ein Außenstehender, sind sie fast wie ein fremdes Buch.
Vielleicht lebe ich zu stark im Hier und Jetzt; ich habe keine besonderen Antennen für die Erinnerung noch für den Blick in die Zukunft. Diese Dimensionen des Menschseins sind bei mir unterentwickelt, vielleicht befinde ich mich noch in einem vormenschlichen Stadium.
Ich kann zumindest sagen: Ich war einmal in Ruanda.
Das bleibt.
Damit sind eigentlich auch die 3. und 4. Frage schon weitgehend beantwortet.
Es scheint sich nichts in mir verändert zu haben; ich spüre (noch) nichts davon.
Als ich 1984 in Ägypten war, trat auch erst viel später eine Veränderung, eine Veränderung meines Bewusstseins ein: Andere Menschen, vor allem aber Menschen aus anderen natürlichen und kulturellen Umgebungen sehen die Welt anders als ich. Das mag trivial klingen, wurde mir aber erst damals, einige Zeit nach meinem Besuch dort voll bewusst.
Eine Quelle ist in Ägypten ein nationales Pilgerziel, etwas Bedeutendes, Seltenes, Einmaliges gar. Für mich, für einen Deutschen, einen Nord-, Ost- und Mitteleuropäer ist sie nicht der Rede, geschweige denn eines Besuches wert.
Ich schüttelte damals den Kopf, als ich ein winziges Rinnsal aus einer Felswand in eine rostige Tonne tröpfeln sah. Dafür den langen Weg? Ich war enttäuscht, fühlte mich fast betrogen.
Erst viel später habe ich verstanden, dass mir ein Ägypter etwas FÜR IHN, für Ägypten sehr Bedeutungsvolles gezeigt hatte.
Ob es mir jetzt auch so gehen wird? Das werde ich sehen. Mir ergeht es zumindest nicht mehr so, dass ich über Dinge, die Anderen wichtig sind, den Kopf schüttele oder sie gar lächerlich mache, nur weil sie für mich nicht wichtig sind.
Bleiben werden auf jeden Fall meine Kenntnisse über Bananen, Maniok und ruandisches Rasenmähen.
Falls ich über Letzteres noch nicht berichtet habe, hole ich das nun nach: Rasenflächen werden in Kigali mit einem vorn abgerundeten “Schwert” geschnitten, dessen vorderes Drittel ca. 45 Grad nach oben gebogen und (inklusive der gerundeten Spitze) scharf geschliffen ist. Dieses “Schwert” wird in leicht nach vorn gebeugter Haltung mit dem ausgestreckten Arm dicht über dem Boden hin und her geschwungen, wodurch der Pflanzenbewuchs abgeschlagen wird.
Längere Pflanzen, die z. B. als Viehfutter verwendet werden, werden zumeist mit Sicheln oder sichelartigen Schneidgeräten geschnitten.
Ich habe mich auch entschlossen, diesen Bericht nicht nur meiner Familie und einigen, engen Freunden zur Verfügung zu stellen – so wie er zuerst gedacht war, sondern allen, die an den darin enthaltenen Informationen über/aus Ruanda interessiert sind.
Da diese Reise sehr indviduell war, ist der direkte Nutzen für zukünftige Ruanda-Reisende eher beschränkt; aber ich denke, man bekommt doch einen kleinen Eindruck vom Land und auch ein paar allgemeine Informationen. Ich war zumindest bemüht, möglichst viel Wissenswertes in den Bericht einzuflechten.
Letztlich entscheidet natürlich jeder selbst, was ihm nützlich und interessant vorkommt. Ich stelle nur zur freien Informationsnutzung zur Verfügung.
Den Abschluss sollen ein paar Links bilden, auf die ich bei Internet-Recherchen über einige mir selbst gestellte Fragen gestoßen bin.
Auch sie sind vielleicht für den einen oder anderen von Nutzen oder ersparen ihm die Suche.
Linkliste zu Ruanda und verwandten Gebieten
Sehr interessanter Film über eine Kaffee-Kooperative
Panoramabilder verschiedener Örtlichkeiten
Tourism and Conservation Department of the Rwanda Development Board
Nachrichten aus Afrika, hier über eine Baumfällaktion in Kigali
Berichte aus Ruanda (Blog in Englisch)
Leahs Reise nach Ruanda 2007 (in Englisch)
Schnappschüsse aus Ruanda (via Twitter)
Familie Thiessens Abenteuer in Ruanda (Englisch)
Arndt Peltner berichtet aus Ruanda
Rwandan Dictionary (Kinyarwanda-English)
Voyage au Rwanda (Französisch)
Nicole in Ruanda (Blog/2008)
Als Selbstfahrer in Afrika (Infos, Berichte)
Privates Hilfsprojekt
Fotos aus Ruanda
Radfahren in Ruanda (für echte Biker)
http://www.volunteerjournals.org/rwanda/alesperance/umunsi-limwe/
http://www.acdivoca.org/acdivoca/PortalHub.nsf/ID/news_washpostRwanda
http://growingtogetherinrwanda.blogspot.com/
http://rwanda.worldvision.org.nz/
http://www.schwarzaufweiss.de/Nordzypern/kolokaz.htm
http://fr.wikipedia.org/wiki/Colocasia_esculenta
http://de.wikipedia.org/wiki/Taro
http://en.wikipedia.org/wiki/Taro































Kigali Time
Kigali, RWANDA